N_Magazin 03/2015


Interview: Das Tier in mir

Im Auto werden wir manchmal zum Tier und vergessen Anstand und Höflichkeit. Warum ist das so? Der Verkehrspsychologe Tomas Wagenpfeil kennt die Antwort.


Quelle: N_Magazin 03 / 2015
Text: Tobias Pützer

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Herr Wagenpfeil, was bedeutet das Auto psychologisch betrachtet für den Menschen?
Das Auto stellt einen besonderen Lebensbereich dar. Es ist Statussymbol und Identifikationsmittel, des Deutschen liebstes Kind und eine Art sichere Kapsel, mit der wir uns durch den sozialen Raum – nämlich den Verkehr – bewegen.

Thomas Wagenpfeil, 50,
Diplom- und Verkehrspsychologe TÜV SÜD

Was macht diesen sozialen Raum besonders?
Hier finden intensive Begegnungen in größter Enge statt, mit sehr vielen anderen fremden Menschen. Da entsteht ein enormes Konfliktpotenzial, da ja alle das gleiche Ziel haben: möglichst schnell vorwärtskommen.

Eine Situation, die man samstagmittags allerdings auch an jeder Supermarktkasse oder in der Fußgängerzone vorfindet.
Genau. Aber hier würde niemand Menschen, die vermeintlich zu langsam vor einem gehen, anschreien, wegdrängeln oder ihnen ganz nah auf den Pelz rücken. Das wäre den meisten peinlich und sie würden vor allem die Reaktion anderer fürchten.

Warum tun sie das im Auto nicht?
Weil das Auto einen geschützten Raum darstellt, in dem man weitestgehend anonym agieren kann. Man bewegt sich zwar in der Masse, ist aber gleichzeitig unter sich. Niemand muss sich für sein Verhalten unmittelbar rechtfertigen, niemand hört, wenn man den Voranfahrenden als Idioten bezeichnet.

Was sind das für Charaktere, die gerade im Straßenverkehr zum Tier werden?
Es sind fast ausschließlich Männer. Zum einen solche, die grundsätzlich ein hohes Aggressionspotenzial in sich tragen. Bei diesen Menschen spielt der kompetitive Aspekt im Straßenverkehr eine große Rolle. Sie haben die Einstellung: Weg da, hier komme ich! Und natürlich kann kein anderer so gut Auto fahren wie sie selbst.

Und die zweite Gruppe?
Das sind Menschen, die im Alltag eher zurückhaltend agieren und ihre Aggression nur dann ausleben, wenn dieses Verhalten nicht unmittelbar auf sie zurückfallen kann. Das Auto bietet hier den idealen Ort, um Dampf abzulassen.

Gleichzeitig agieren manche Menschen überängstlich, sobald sie hinter dem Steuer sitzen.
Auto fahren bedeutet oft Stress – man hat es eilig, es ist eng und jeder versucht, sein Recht durchzusetzen. Keine schöne Veranstaltung für eher passiv eingestellte, schüchterne Menschen. Die reagieren mit Rückzug, also besonders defensiver Fahrweise.

Das macht die Sache aber meist nicht besser.
Ganz im Gegenteil. Jeder weiß, wie sehr es nerven kann, wenn einer mit 40 km/h in einer 50er-Zone vor einem her- tuckert. Da könnte man verrückt werden.
Ein Teufelskreis.


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