N_Magazin 03/2015


Die Besten testen

Wir haben die Wagenmeister der drei besten Fünf-Sterne-Hotels Deutschlands gebeten, einen vollelektrischen Nissan LEAF statt Luxuslimousinen und Supersportwagen einzuparken. Warum? Weil wir denken, dass es keine besseren Autotester gibt als diese drei Herren.

Quelle: N_Magazin 03 / 2015
Text: aufgezeichnet von Jörg Heuer / Fotos: Alexander Babic

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MANFRED DUBBERT, 70
SEIT SIEBEN JAHREN WAGENMEISTER IM HAMBURGER HOTEL ATLANTIC:
Lautlos gleitet der Nissan LEAFa) vor das standesgemäß mit rotem Teppich ausgelegte Eingangsportal des ehrwürdigen Hotels an der Außenalster. Udo Lindenberg wohnt seit einer gefühlten Ewigkeit im Atlantic 1997 drehte Pierce Brosnan hier Szenen des James-Bond-Films „Der Morgen stirbt nie“.

Mit wachem Blick mustert der Wagenmeister in Frack und Zylinder den vollelektrischen Nissan LEAF und grüßt mit einem Lächeln. Manfred Dubbert übernimmt den Wagen. Seine Worte:
„Oh, das ist ja mal was ganz anderes. Ein Auto, das so leise ist wie ein Fisch in der Alster. Ich fahre ja jeden Tag ein paar Dutzend Autos, aber einen reinen Elektrowagen hatte ich in meiner langen Laufbahn – ich bin seit 50 Jahren im Besitz des Führerscheins – erst einmal unter dem Hintern. Ganz schön geräumig, der LEAF. Auch nach oben hin. Muss nicht mal den Zylinder abnehmen. Das ist schon mal sehr praktisch. Ein bisschen verwirrend, weil ungewohnt, ist, dass der Wagen tatsächlich – fast hätte ich gesagt bei laufen- dem Motor – keine Geräusche macht. Weiß gar nicht, ob er tatsächlich startklar ist. Aber ist er wohl. Die Automatik-Gangschaltung in der Mittelkonsole sieht nach Zukunft aus. Statt eines Gangknüppels ist da nur ein blauer Knopf. Gefällt mir. Interessantes Design. Auch leicht zu bedienen. Vorwärtsgang rein und ab in Richtung Garage. Das Sichtfeld ist prima, trotzdem muss ich aufpassen, dass mir kein Passant vor den Kühler läuft. Wird da was gekühlt? Die Leute sind es ja gewohnt, dass Autos Krach machen. Aber mit dem LEAF ist das ja wirklich eine richtig ruhige Schleich- fahrt. Jetzt ist der Weg frei. Mal gucken, was passiert, wenn ich das Gaspedal trete. Zieht gut an, der Kleine. Respekt. Jetzt nur noch in die Parklücke. Mit der Rückfahrkamera ist das ein Kinderspiel. Saubere Sache.“


MANFRED DUBBERTS RESÜMEE NACH 250 METERN
UND 56 SEKUNDEN IM LEAF:
„Ein sympathischer Stadtwagen, mit dem ich gerne noch ein paar Runden drehen würde. Ich hoffe, dass öfter Elektroautos am Atlantic vorfahren. Sie können mich noch überraschen. Das vermögen die meisten anderen Schlitten längst nicht mehr. Doch dass aus mir altem Wagenmeister noch so etwas wie ein Elektro- meister wird, das glaube ich nicht.“

RENE HÄTZOLD, 44
SEIT 12 JAHREN WAGENMEISTER IM GRAND HOTEL HEILIGENDAMM:
Heiligendamms Grand Hotel kennt seit 2007 die ganze Welt. Hier im historischen Seeheilbad an der Ostseeküste fand der legendäre G8-Gipfel statt, bei dem sich die Mächtigen fürs Gruppenfoto in einem riesigen Strandkorb ablichten ließen. Wagen- meister Rene Hätzold nahm damals schon die Autos der Gäste entgegen. Jetzt freut er sich auf den vermutlich kürzesten Autotest, den es jemals gab:

„Ich habe extra eine Parklücke zwischen zwei schwarzen S-Klassen frei gelassen. Sie ist nur 25 Meter vom Hoteleingang entfernt. Elektroautos bin ich bislang hier vielleicht um die 20 gefahren. Meist Tesla. Ab und an mal einen BMW. Einen Nissan noch nie. Okay, die rote Farbe des LEAF gefällt mir schon mal, aber die Scheinwerfer sind nicht ganz mein Fall.

Den Startknopf habe ich aber sofort im Blick. Auch die Lenkradknöpfe sind schön übersichtlich. Habe ich so noch nie gesehen. Auf den Motorstart brauche ich ja nicht zu warten – und tue es trotzdem irgendwie. Aus Gewohnheit. Die Anzeigen auf dem Display sind top. Reichweite, Ladezeit bis 100 Prozent Batterieladung, alles sehr logisch und übersichtlich. Man kann seine Reise also gut planen. Aber wo ist jetzt die Handbremse? Ah, unten links, danach musste ich jetzt tatsächlich ein paar Sekunden fahnden. Ein Tretpedal. Ab geht’s. Das Lkw- artige Piepen beim Rückwärtsfahren gefällt mir. So läuft mir niemand in den Weg. Beim Vorwärtsfahren kommt die lautlose Energie. Was für ein abgefahrenes Erlebnis! Der Wagen ist klein und angenehm handlich, prescht wie von selbst in die Parklücke. Und beim Ausmachen geht der Nissan automatisch in den Parkmodus über. Auch das ist super. Und ebenfalls ein angenehmer Nebeneffekt: Wenn ich fahre, höre ich bei heruntergelassener Scheibe die Meeresbrandung rauschen. Kein Hauch von Abgasen. Saubere Sache.“

RENE HÄTZOLDS RESÜMEE NACH 25 METERN UND
28 SEKUNDEN IM LEAF:
„Wenn ich die Wahl hätte, womit der nächste Gast anreist, würde ich mir als geborener Ostdeutscher eher einen Trabbi als den LEAF wünschen. Aber den LEAF würde ich lieber entgegennehmen als einen Porsche. Ich mag die Exoten. Schon immer.“

ERIC JACOBUS, 25
SEIT EINEM JAHR WAGENMEISTER IM BERLINER HOTEL ADLON:
Unlängst war die britische Queen zu Gast im Adlon. Deshalb wurden für die Wagenmeister des bekanntesten und besten Hauptstadt-Hotels, in dem alles absteigt, was Rang und Namen hat, extra Gala-Uni- formen maßgeschneidert. In Mailand. Über den Fahrstuhl kommt der Wagenmeister in die Tiefgarage des Adlon und schlendert zum LEAF. Der lädt noch an der Steckdose auf. Der Wagenmeister soll ihn vorfahren: „Ich habe noch nie ein Auto vom Strom abgestöpselt. Aber das funktioniert ja ähnlich wie beim Handy.

Von außen ist der Elektrowagen eher schlicht. Drinnen wird’s interessant. Es gibt viele Knöpfe. Das hat schon etwas Spaciges. Der blaue Gängeknopf ist lässig. So, nun erst mal die Handbremse lösen. Aber warum geht plötzlich die Kühlerhaube auf? Hab wohl am falschen Hebel gezogen. Gewöhnlich guck ich immer erst, wo die Klimaanlage ist. Das spar ich mir hier aber, denn der Wagen ist nicht voll aufgeladen, er hat aktuell nur
69 Kilometer Reichweite und ich will keinen wertvollen Strom verschleudern. Einen Benziner würde ich jetzt für den Gast zur Tankstelle fahren. Das Piepen beim Rückwärtsfahren ist ungewohnt, macht aber Sinn. Wenn man vom Gas geht, bremst der LEAF nicht automatisch ab. Hier unten in der Tiefgarage klingt er wie ein Raumschiff. Kein schlechter Klang. Ich fühle mich wie in einem Star-Wars-Shuttle mit einer Menge Features. Schade nur, dass rund ums Hotel 30er-Zone ist und dauernd geblitzt wird. Würde gerne mal Gas geben. Denke, der Asphaltfüsterer geht gut ab. An der grünen Ampel ist er jedenfalls recht fx. Er muss sich ja auch nicht von einem Gang in den anderen hochschalten. Wie heißt es noch? Stille Wasser sind tief. Das trifft auch auf den LEAF zu.“

ERIC JACOBUS’ RESÜMEE NACH 1,2 KILOMETERN UND DREI MINUTEN IM LEAF:
„Ich werde meiner Freundin heute Abend nicht davon vorschwärmen, was für eine coole Kiste ich wieder gefahren bin. Doch ich weiß: Sie würde den emissionsfreien roten Flitzer echt mögen. Sehr sogar. Allein schon, weil er der Berliner Luft guttut.“


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